2011-04-01 Gilt in Deutschland bereits der nukleare Notstand ?
Die EU-Kommission hat die Grenzwerte für eine Strahlenbelastung von Lebensmitteln auf mehr als das Doppelte hinaufgesetzt. Die Grenzwerte liegen jetzt so hoch wie bei der Katastrophe von Tschernobyl.
„Mit Verbraucherschutz hat das nichts mehr zu tun“, empören sich Josef Rosner und Rosi Steinberger, Bezirksvorsitzende der Grünen in Niederbayern. Bundesgesundheits- und –Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner beschwöre seit Tagen die verstärkten Kontrollen bei der Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan. Dabei habe sie verschwiegen, dass eben diese Grenzwerte für die Strahlenbelastung von Lebensmitteln drastisch hinaufgesetzt worden sind.
Nach der Katastrophe von Tschernobyl, die sich in wenigen Wochen zum fünfundzwanzigsten Mal jährt, war eine spezielle EU-Verordnung erlassen worden. Demnach können im Falle eines "nuklearen Notstandes" die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen.
„Diese Maßnahme ist völlig überzogen“, sagt Steinberger. „Denn die EU bezieht nur 0,1 Prozent seiner Waren aus Japan.“ Eine Nahrungsmittelknappheit ist nicht zu befürchten. Es zeige sich aber auch nach 25 Jahren wieder die absolute Hilflosigkeit der Behörden, wie mit einer solchen Herausforderung umzugehen sei.
Besonders bedenklich finden es die Grünen, dass die Grenzwerte für bestimmte Produkte wie Fischöl oder Gewürze sogar um das 10 bis 20 fache des bisherigen Wertes angehoben worden sind. „Wir können die Aussagen dazu nicht mehr hören, dass auch diese Werte noch absolut unschädlich seinen“, meint Rosner. „Dann soll man bitte gleich so ehrlich sein und zugeben, dass die Folgen einer nuklearen Katastrophe nicht beherrschbar sind und alle Menschen die Auswirkungen zu tragen haben.“
Rosi Steinberger, Josef Rosner
Bezirksvorsitzende der Grünen Niederbayern
